• Venedigerrunde  MTB
    185 km   |   5.300 hm   |   18 h

MTB Großvenediger-Umrundung

mit dem Mountainbike zweimal über den Alpenhauptkamm

185 Kilometer, 5.300 Höhenmeter und 18 Stunden unterwegs (von 3 Uhr morgens bis 21 Uhr) waren wir Anfang September auf sensationellen Pfaden in der Venedigergruppe.
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Peter Bergh mit Marcell Heregger (Irschen)

Das Projekt geisterte schon ein paar Jahre in meinem Kopf herum, genauer gesagt seit unserem Umzug ins Obere Drautal nahe der „richtig großen Berge“: eine Mountainbike-Runde über den Alpenhauptkamm im Nationalpark Hohe Tauern. Nach einem kurzen Blick auf die Karte war bald klar: richtig lohnend kann das nur mit dem Fully über den Felber Tauern (St. Pöltner Hütte, 2.481m) hin und den Krimmler Tauern Pass (2.641m) retour klappen – ob jedoch mit unseren 16kg schweren Cannondale Jekyll Enduro-Bikes plus kleinem Rucksack (Laufschuh für die wilderen Passagen + warmes Gewand) diese Runde um die Venedigergruppe für uns an einem Tag machbar sein wird, stand eigentlich bis zum Schluss in den Sternen – aber genau das macht ja den ganz besonderen Reiz großer Projekt aus.

Einen bärenstarken und fahrtechnisch mit allen Wassern (oder Bieren?) gewaschenen Mitstreiter für dieses Projekt fand ich mit Marcell Heregger, gebürtiger Irschner und der Erste, der mich als „Zugezogener“ gleich in seinen Kreis Oberdrautaler Outdoor-Enthusiasten aufgenommen hat.

Den Krimmler Tauern kannte ich bereits von einer Transalp, die ich 2004 mit ein paar Wiener Jungs gebiket bin – damals plante ich noch ohne GPS und Berichte im Internet hinsichtlich Fahrbarkeit alpiner Strecken waren quasi nicht vorhanden. Dieses Mal war eigentlich nur die Nord-Abfahrt von der St. Pöltner Hütte zum Hintersee die große Unbekannte und rückblickend ein absolutes Highlight, da – bis auf wenige Stellen – überraschend gut fahrbar. Dennoch entschieden wir uns nach 400 Höhenmetern Fahrspaß wie geplant für die „Safety-Route“ hinüber zum Brentling Bergwerk (25 Minuten Schieben/Tragen), bevor es zahlreiche Schotter- und zum Schluss Asphalt-Serpentinen flott hinunter zum Hintersee ging. Ob der direkte Weg – der „Alte Saumweg“ – auch die restlichen (steileren) 700 Höhenmeter hinuter ins Tal für uns fahrbar ist oder nicht, wollten wir lieber ein andermal eruieren.  

In Mittersill gönnten wir uns zwei Kaffee und leckere Mehlspeisen, bevor es ca. 30km den Tauernradweg flott hinauf nach Krimml ging. Den 400 etwas steileren Höhenmetern folgen etwa 10 nahezu flache Kilometer im malerischen Krimmler Achental. Eine Stärkung im Krimmler Tauernhaus (Knödelsuppe + Cola) war an dieser Stelle quasi obligat – denn kurz darauf folgt dann der wahrscheinlich anspruchsvollste Teil der Strecke: die ca. 800 Höhenmeter (ca. 6 km) „Schmugglerpfad“ im Windbachtal hinauf zum Krimmler Tauern Pass. Die ersten 2 km / 150 Höhenmeter gehen noch technisch aber großteils gut zu fahren – danach hieß es für uns Bikes-Schieben und immer wieder auch kurz -Tragen.

Die Abfahrt vom Krimmler Tauern Pass hinunter ins Südtiroler Ahrntal sucht ihresgleichen: über perfekt platzierte Steinplatten und Stufen geht es etwa 1.000 Höhenmeter kurvig bergab – der Blick auf die umliegenden schnee- und eisbedeckten Gipfel der Venedigergruppe ist bombastisch ... jeder Meter ein Hochgenuss!

Bei einem an sich komplett harmlosen Abstieg übers Bike hatte ich im unteren Teil leider das Pech, dass die Vorderradbremse unsanft gegen einen Stein fiel und sich der Kolben des vorderen Bremshebels so unglücklich verbog, dass dieser komplett blockierte und unbeweglich war. Selbst in der Werkstatt der extrem sympathischen Adleralm (1.650m) war der Schaden für uns nicht reparierbar – also musste ich die letzten ca. 2.000 Höhenmeter nur mit der Hinterradbremse auskommen, was den Fahrspaß bergab im wahrsten Sinn des Wortes bremste. Ein kleiner Trost war jedoch der sensationelle Mürbteig-Apfelstrudel auf der Adleralm – saftig, zimtig, buttrig … zum Niederknien!

Der meiste Schweiß rann dann am steilsten Schotter-Anstieg weit und breit – hinauf zur 2.570m hohen Ochsenlenke, die schon länger zu meinen absoluten Lieblingspässen mit dem Mountainbike zählt (auch 2004 zum ersten Mal gefahren und seit damals quasi süchtig). Die letzten 400 Höhenmeter über den schmalen Wiesen- und Steinpfad schmiegen sich derart elegant an den Hang, dass die Auffahrt zwar anspruchsvoll, aber komplett fahrbar ist – wir legten diesmal jedoch auch ein paar Meter zu Fuß zurück, nachdem die knapp 5.000 Höhenmeter zuvor schon durchaus geschlaucht hatten.

Im herrlichen Licht der tiefstehenden Sonne cruisten wir um 19:00 Uhr die 550 Höhenmeter des alten Saumpfads hinunter ins Reintal. Die letzte richtige Steigung hinauf zum Klammljoch brachte uns zurück nach Osttirol – schnell die Windjacken angezogen und vorbei an den unter Denkmalschutz stehenden Steinhäusern der Jagdhausalm ins Defereggental, wo wir nochmals Rücklichter und Helmlampen montierten, um im Finsteren die finalen 30 km auf Aspahlt zum Auto hinunter nach Huben zu rollen und zu strampeln.

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